Vogelspinnenbestimmungskurs am 04.03. und 05.03.2006


Wir danken Volker von Wirth für die schnelle Umsetzung eines Termins für einen Bestimmungskurs der VSIG Franken. Planungen für den Kurs wurden im November 2005 getroffen. Den Kontakt zu Volker stellte Felix Jeske her. Durch ihn konnten wir auch die hervorragenden Einrichtungen der Uni Erlangen (Biologie) für unseren Kurs nutzen.
Ab Februar 2006 wurde ausführlich für diesen Kurs geworben (Internet, Foren, Flyer,..). Daraufhin haben sich 15 Leute angemeldet, davon 10 von der VSIG Franken, 2 aus dem Nürnberger Umland und 3 aus dem Bundesgebiet.
An dem Tag war ein absolutes Schneechaos. 1 Teilnehmer aus Frankfurt musste wieder umkehren, ein anderer kam erst gegen Nachmittag.

Der Kurs begann am Samstag um ca. 12:00 Uhr mit dem theoretischen Teil. Darin erklärte Volker uns, was man alles für eine sinnvolle taxonomische Beschreibung braucht.

Gegen 14:00 Uhr wurde dann mit dem praktischen Teil begonnen. Als Leitfaden hatten wir den Bestimmungsschlüssel aus dem Buch "Vogelspinnen" von Dr. Günther Schmidt (3. Auflage). Obwohl dieser in vielen Bereichen sehr fehlerhaft ist, so reicht er doch aus, um grundsätzlich zu erklären, wie man mit einem dichotomen Bestimmungsschlüssel arbeitet.

Vorbereitung der Exuvie zur Bestimmung:

• Einweichen der Exuvie mit einer Pipette (gefüllt mit Wasser)

• Abtupfen der überschüssigen Flüssigkeit mit einem Stück Fließpapier (z.B. Toiletenpapier oder Taschentuch) nach kurzer Einweichzeit ca. 5 Minuten

• Vorsichtiges Abtrennen der rechten Chelizere mit Hilfe einer spitzen Schere

• Abschneiden des rechten Tasters und des ersten Laufbein, sowie vom Bein IV

Begleitend hatte Volker ausreichend Bildmaterial der abgefragten taxonomischen Merkmale in seinem Laptop vorrätig, anhand dessen er uns die für die Bestimmung wichtigen Merkmale näher brachte. Es machten sich jeweils zwei Teilnehmer an einem Binokular daran die mitgebrachten Vogelspinnenhäute zu bestimmen. Diese Methode mit zwei Teilnehmern an einem Binokular hat sich nach Volkers Aussage auch deshalb bewährt, weil sich beide Teilnehmer gegenseitig helfen bzw. ergänzen können.

Zunächst wurde die Chelizerenaußenseite nach Stridulationsborsten bzw. einer Scopula untersucht. Danach lag unser Augenmerk auf der Tastercoxa und ihren evtl. vorhanden Stridulationsborsten. Des weiteren folgte die Suche nach der Bestachelung auf dem Metatarsus von Bein IV (Anzeichen auf Abstreiforgane „Stacheln“ der Brennhaare auf dem Opisthosoma). Je nach Bestimmungsweg wurde z.B. das Vorhandensein der Scopula auf der Femurinnenseite des 4. Beinpaares in Augenschein genommen und/oder die geteilte/ungeteilte Scopula des Tarsus des 4. Beinpaares gesichtet.

Schritt für Schritt durchliefen wir mit mehr oder weniger großen Schwierigkeiten (Diskussionen) den Schmidtschen Bestimmungsschlüssel. Nicht jeder kam zu seinem gewünschten Ergebnis (falsches Abbiegen im Bestimmungsschlüssel) und die Hilfestellung von Volker war des Öfteren nötig, damit wir wieder den richtigen Wege einschlugen.

Schwierigkeiten traten da auf, wo beispielsweise kein adultes männliches Exemplar (Bei Fragestellungen zu Bulben oder Tibia-Apophysen) vorhanden war oder Exuvien subadulter Tiere die Bestimmung nicht zuließen (z.B. wegen fehlender Spermathek).

Auch war es für uns schwierig, Strukturen wie z.B. das Augenhügeltrapez richtig zu deuten.

Bei auftretenden Problemen stand Volker mit Rat und Tat zur Seite.

Zwischendurch wurden immer wieder kurze Pausen bei Kaffee und Kuchen eingelegt, um wieder genügend Konzentration für die kommenden Aufgaben zu haben.

Leider war die Zeit viel zu kurz, so dass wir gegen 18:00 Uhr aufbrechen mussten um rechtzeitig auf dem Treffen der VSIG Franken zu sein. Nach deftiger fränkischer Kost hat Volker trotz heiserer Stimme und erschöpften Diskussionen noch einen Vortrag über asiatische Vogelspinnen gehalten.

Hier wurde Volker die letzte Energie des Tages abverlangt und alle Fragen wurden sehr geduldig und ausführlich beantwortet. Damit ging dieser lange und anstrengende Kurstag zu ende.

Am nächsten Tag ging es um 10:00 Uhr in der Uni weiter. Thema des zweiten Tages war das Bestimmen an Alkoholmaterial. Die Vorbereitung des Materials liefen ähnlich ab, wie bei den Exuvien vom Vortag. Anders als Vortag musste das Material mit Alkohol beim Untersuchen vollständig bedeckt sein.

Als Höhepunkt des Kurses wurde uns das herauspräparieren der Spermathek aus einem in 70%igem Alkohol präparierten Weibchen gezeigt. Hierzu hat Volker den Bereich zwischen den beiden Buchlungen und der Epigastralfurche mit einer spitzen Schere großzügig herausgetrennt.

Dieser "Block" wurde dann zusammen mit Milchsäure in ein Reagenzglas überführt und über einem Teelicht ca. 5 Minuten „gekocht“. Durch die Milchsäure wurde das Fleisch von der chitinhaltigen Spermathek getrennt/veräzt.

Danach schauten wir uns das Resultat mit Hilfe eines Binokulares, welches mit einer Kamera das an einen Beamer angeschlossen war, auf einer Leinwand an. Das Ergebnis war sehr beeindruckend und sah aus, wie die Spermathek in einer Exuvie. Wie sauber und schnell diese Technik doch im Vergleich zur veralteten Methode des Wegschabens der an der Spermathek "klebenden" fleischlichen Bestandteile doch ist.
Die restliche Zeit untersuchten die 2er Gruppen Alkoholpräparate eigenständig unter dem Binokular.

Abschließend kann folgendes über den Kurs geschrieben werden:

Freundliche und kompetente Leitung des Kurses durch Volker von Wirth, reges Interesse und Mitarbeit der Teilnehmer, hervorragende und professionelle Einrichtung des Labors der Uni Erlangen (besonderer Dank an die Leitung der Abteilung Biologie), Dank auch an die freundliche Leihgabe des Beamers der Vogelspinnen IG Stuttgart für den Vortrag, ein herzliches Danke Schön gilt auch den Frauen einiger Kursteilnehmer die sich für den hervorragenden Kuchen verantwortlich zeigten.


Wir würden uns freuen mit Volker im nächsten Jahr einen darauf aufbauenden 2. Kurs durchführen zu können.

Für jeden der sich mit den Grundzügen der Taxonomie und Systematik von Vogelspinnen auseinandersetzen möchte, ist dieser Kurs wärmsten zu empfehlen.

Euer Team der VSIG Franken

Autor: Michael Breitschwerdt
Redaktion: Pichler/Breitschwerdt

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