Probleme bei der Haltung von Vogelspinnen in einer Mietswohnung


Halten und Züchten von Vogelspinnen in einer Mietwohnung.

Seit vielen Jahren halte ich Geckos, Baumpythons, Jemen-Chamäleons und eine große Anzahl von Vogelspinnen in einer 75qm großen Mietwohnung in einem separaten und absperrbaren Raum. Laut Mietvertrag §3 ist „Kleintierhaltung“ erlaubt und man benötigt nur für Hunde und Katzen eine Genehmigung.

Die meisten Mitbewohner im Haus ahnen oder wissen, welche Tiere ich in meiner Wohnung halte. Darum war ich sehr verwundert, als ich Anfang März diesen Jahres einen Brief von meinem Vermieter, einer Wohnungsbaugesellschaft, erhielt. Darin war ein Termin für eine Wohnungsbesichtigung angesetzt. Gründe wurden nicht genannt, ich sollte sie aber bald erfahren.

An diesem Termin standen der Hausmeister und ein Techniker vor der Wohnungstür. Sie zeigten mir einen Brief zur Durchsicht, in dem jemand der Wohnungsbaugesellschaft alle Tiere aufgelistet hatte, die ich in meiner Wohnung hielt. Ich traute meinen Augen kaum.

Die beiden Herren schauten sich die gesamte Wohnung in aller Ruhe an. Sie stellten viele Fragen und hielten den Allgemeinzustand der Wohnung und der Tiere auf einigen Fotos fest. Das Gespräch verlief sehr positiv, ihre Resonanz war, daß die Wohnung sehr sauber und aufgeräumt wäre. Man rieche innen und außen nichts und würde als Außenstehender die Tierhaltung nicht bemerken. Ich bestätigte, daß Vogelspinnen keinen Dreck und Lärm machen und auch nicht stinken, also ideale Haustiere sind, weil sie keinen stören. Nach knapp 1 Stunde war die Wohnungsbesichtung beendet.

Um so erstaunter war ich, als 2 Wochen später ein Brief von meiner Wohnungsbaugesellschaft kam und Sie mir folgenden Sachverhalt vorhielten: „...Züchtung und Haltung von tropischen Tieren [...] In der Wohnung werden in großer Zahl Vogelspinnen und giftige Schlangen der Art Baumpython gezüchtet und zum Kauf angeboten. [...] Auch wenn Ihrer Meinung nach keine Belästigungen und Gefahren von den Tieren ausgehen, ist es doch so, daß anderweitige Auswirkungen von den Tieren ausgehen und objektive Störungen verursachen. Sie lösen Ekel aus, werden mit Krankheiten in Verbindung gebracht und werden als Ungeziefer betrachtet Diese verbreiteten Ansichten führen dazu, daß in einem Mietshaus mit mehreren Mietparteien Widerwillen und Angst von den Mietern zu erwarten ist. Allein dies kann zu einer Störung des Hausfriedens führen, ohne daß es darauf ankommt, daß die Attribute, die mit den gehaltenen Tieren assoziiert werden, zutreffend sind.“

Des weiteren: „Die Tierhaltung stellt eine professionelle Züchtung dar, die einer gewerblichen Ausübung gleichgestellt wird. Dies stellt einen vertragswidrigen Gebrauch der Mietsache dar. [...] Aus den genannten Gründen müssen wir Ihnen die Haltung bzw. Züchtung der Tiere in Ihrer Wohnung untersagen und fordern sie auf, alle Tiere bis (Zeitraum war innerhalb 4 Wochen) zu entfernen. Ansonsten werden wir sofort gemäß §541 BGB auf Unterlassung und Beseitigung klagen.“

Ich war entsetzt und sprachlos, weil das Gespräch bei der Wohnungsbesichtigung so positiv verlaufen war. Mich wunderte nur, daß in dem Brief meine Mäuse- und Rattenzucht nicht erwähnt wurde, die ich auch im Zimmer betreibe.

Am nächsten Tag vereinbarte ich sofort einen Termin bei einem Anwalt für Mietrecht. Dieser hörte sich mein Problem in aller Ruhe an und las sich den Brief der Wohnungsbaugesellschaft genau durch. Ihm fiel als erstes die Anschuldigung des angeblichen „gewerblichen Handels“ auf. Danach schlug er in diversen Büchern nach und las mir einige Gesetzestexte, Gerichtsurteile und Entscheidungen der letzten Jahre vor. In keinem dieser Texte kam etwas ähnliches wie in meinem Fall vor.

Er meinte, Haustierprozesse wären immer eine Einzelfallentscheidung. Aber meine Menge an Tieren könnte man auf gar keinen Fall als Kleintierhaltung bezeichnen. Chancen für ein Urteil zu meinen Gunsten würde er auf 50:50 schätzen oder eher noch geringer, weil es in meinem Fall noch kein vergleichbares Gerichtsurteil gäbe. Die jüngsten Gerichtsurteile bezogen sich alle nur auf die Gefährlichkeit von Vogelspinnen, nicht aber auf gewerblichen Zweck oder eine so große Anzahl.

Mit dem Anwalt verfaßte ich einen Brief, in dem wir auf die Gefährlichkeit von Vogelspinnen eingingen und versuchten, die Vorurteile gegenüber meinen Tieren auszuräumen. Der alleinige Ekel sei keine Begründung für eine Kündigung. Auch liege keine professionelle Züchtung bzw. Handel vor, da ich meine Tiere nur auf Börsen abgebe und somit kein Parteienverkehr im Haus stattfindet, der die Mitbewohner stören könnte.

Des weiteren legte ich folgende Unterlagen bei:

- zwei jüngere Gerichtsurteile (Bayreuth und Ansbach), die schon über die Ungefährlichkeit von Vogelspinnen und deren Haltung geurteilt hatten (zu finden im Internet oder diversen Foren)

- eine Bestätigung der Vogelspinne-ev.de, die mir freundlicherweise Marc Voßkämper zugeschickt hat, welche die Gefährlichkeit von Vogelspinnen entscheidend entkräftet und deren Haltung positiv beurteilt

- einen Brief des Nürnberger Umweltschutzamts, der bestätigt, daß alle meine Haustiere gemäß §37 LStVG nicht zu den gefährlichen Tieren zählen

- eine Bescheinigung vom Finanzamt, daß meine Tierhaltung als Liebhaberei zählt und somit kein gewerblicher Handel vorliegt

- meinen DGHT- Sachkundenachweis

- meine Mitgliedsausweise der dearge.de, des Bayreuther Terrarienvereins und Umgebung e.V.

- einige Zeitungsausschnitte über Vogelspinnen

Zusätzlich wiesen wir darauf hin, daß es innerhalb der eingeräumten Zeit von 4 Wochen nicht möglich ist, alle Tiere aus der Wohnung zu entfernen und an geeignete Halter abzugeben. Am Ende des Schreibens bat ich noch um ein persönliches Gespräch mit der Geschäftsleitung.

Drei Wochen später bekam ich eine Antwort, in dem mir ein solches Gespräch angeboten wurde, das zwei Wochen später stattfand. Dabei ließen sie sich jedoch leider auf keinerlei Kompromiß ein und bestanden weiterhin darauf, daß alle Tiere, nicht nur die Vogelspinnen, abzugeben seien. Ein Entgegenkommen meinerseits, den Bestand zu senken oder gar zu halbieren, wurde nicht akzeptiert. Lediglich die Frist wurde um ein halbes Jahr auf Ende September verlängert.

Ihre Begründung war, daß sie andernfalls jedem Mieter eine derartige Tierhaltung erlauben müßten. Auch in dem Fall, daß ein Tier aus der Wohnung entkommen sollte, hätte die Hausverwaltung eine Mitverantwortung bei Beschwerden oder möglichen Folgen zu tragen, da die Tierhaltung offiziell bekannt und geduldet war. Auch die Androhung eines Prozesses beeindruckte sie nicht, da sie selbst bei einem für mich positivem Urteil die oben genannte Mitverantwortung nicht mehr zu tragen hätten.

Mein nächster Schritt war, mit einer Unterschriftenliste persönlich zu allen Mitbewohnern meines Hauses zu gehen, in der alle bestätigten, daß sie nichts an meiner Tierhaltung auszusetzen hätten und sich nicht gestört fühlten. Im Gegenteil, die meisten wußten bereits zuvor davon, wenn auch nicht genau um welche Tiere es sich handelt. Diese Liste habe ich meiner Wohnungsbaugesellschaft geschickt, aber dann ca. 6 Wochen keine Rückmeldung bekommen. Danach bekam ich die Erlaubnis, meine Tiere bis auf Widerruf in der Wohnung zu halten, wobei sich die Wohnungsbaugesellschaft vorbehält, halbjährige weitere Kontrollen meiner Wohnung vorzunehmen.

Fazit: Jedem, der Vogelspinnen hält oder züchtet, kann etwas Derartiges passieren, egal ob diese als gefährlich angesehen werden oder nicht, ob man in einem Verein aktiv ist oder nicht. Dessen sollte man sich bei der Haltung von exotischen Tieren immer bewußt sein. Mit diesem Brief möchte ich keine Panik auslösen, sondern die grundsätzliche Problematik publik machen. Auch sei der Hinweis erlaubt, daß dies auch für Eigentumswohnungen gilt, da auch hier das Gemeinwohl über dem Einzelrecht steht. Sobald sich ein Mitbewohner gestört fühlt, sollte man mit Schwierigkeiten rechnen.

Einige Tips von mir zum Schluß:

- Vor dem Anschaffen der Tiere beim Vermieter nachfragen, ob er etwas gegen diese einzuwenden hat, und sich dies schriftlich geben lassen. Normalerweise sollte sich niemand an wenigen Tieren stören.

- Eine Vereinsmitgliedschaft kann dazu beitragen, auf die allgemeine Problematik aufmerksam zu machen, und auch im Einzelfall Hilfe zur Verfügung stellen.

- Zeitungsausschnitte, Berichte und Gerichtsurteile über Haltung von Vogelspinnen oder anderen exotischen Tieren sammeln, um die Ungefährlichkeit der Tiere belegen zu können.

- Ausreichende Sachkenntnis über die artgerechte Haltung der eigenen Tiere aneignen, indem man Fachbücher und fachbezogene Zeitschriften liest.

Zuletzt möchte ich mich bei allen bedanken, die mir hierbei mit Rat und Tat zu Seite standen. Ich werde alle auf dem Laufenden halten, wie sich dieser Fall weiter entwickelt.



In diesem Sinne

viel Spaß und Freude mit euren Tieren


Autor: Michael Breitschwerdt
Redaktion: Pichler/Breitschwerdt

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