Vogelspinnenbestimmungskurs am 5.3.- 6.3.2011 an der Uni Erlangen


Referent: Herr Jan- Peter Rudloff


Die VSIG-Franken führte vom 5.3.- 6.3.2011 einen Vogelspinnenbestimmungskurs mit Schwerpunkt „echter Vogelspinnen“ durch, wozu als Referent Herr Jan-Peter Rudloff gewonnen werden konnte.
Teilnehmen konnte jeder der Interesse, Lust und Laune hatte.

Daraufhin meldeten sich 14 Teilnehmer an und wir trafen uns am 5.3.11 pünktlich 9.45Uhr am Parkhaus der Uni Erlangen Bereich Biologie in der Staudtstrasse 5.
Mitzubringen waren folgende Utensilien: Alkoholmaterial, Exuvien, tote Tiere, adulte Männchen zur Bestimmung, Weibchenexuvien zur Spermathekpräparation, kleiner Blumensprüher, Präparierbesteck (welches im Vorfeld bei Michael noch bestellt werden konnte) Schreibzeug.


Nachdem dann jeder seinen Arbeitsplatz eingerichtet hatte, dazu gehörte auch das Aufstellen des Binokulars, gab es eine kurze Vorstellungsrunde.
Michael übergab jedem einen Leitfaden, der den zeitlichen Ablauf des Kurses, Fachbegriffe, Vogelspinnenschema, Merkmale der Familie Theraphosidae und Bestimmungsschlüssel enthielt. Nun ging es los, natürlich erst einmal mit einer kurzen Einweisung in der Vogelspinnensystematik und Taxonomie. Die Taxonomie oder Klassifikationschema ist ein einheitliches Verfahren, um Objekte eines gewissen Bereiches nach bestimmten Kriterien zu klassifizieren.
1758 begründete Caroli Linnaei die bis heute verwendete historische wissenschaftliche Nomenklatur und legte internationale Regeln fest. Er verwendete in seinen Werken die binominale Nomenklatur zur Benennung der Arten, wobei ein Typus als Bezugspunkt für biologische Nomenklaturen gilt.
Der Holotypus ist dabei ein einzelnes Exemplar, das als namenstragender Typus schon bei der Aufstellung der Art festgelegt wurde und eine übergeordnete Art darstellt. Zusätzliche Typen sind Paratypen.

Grundkonzept der Systematik ist die Reduzierung der Merkmalsfülle auf einige wenige Schlüsselmerkmale, wobei auf dem Kurs entsprechende Merkmale der Vogelspinnen herausgearbeitet wurden.

Nach einer kurzen Pause kamen wir dann zum 1.praktischen Teil:
der Geschlechtsbestimmung, wobei vorab die unterschiedlichen Möglichkeiten, wie der äußeren Bestimmung ab der 5.-6- Häutung, eingehen auf Dimorphismen und Dichromatismus, die bei der Bestimmung unterstützend sein können, oder der Bestimmung anhand vorhandener Exuvien, beim Herausarbeiten der Spermatheken, oder die Untersuchung lebender Tiere mit einer CO2 Betäubung.
Anhand mitgebrachter Exuvien konnten wir mit dem Binokular nun das Geschlecht unserer Lieblinge bestimmen, arbeiteten auch diese Spermatheken mit dem Präparierbesteck fein heraus, wobei uns Jan-Peter immer zur Seite stand, uns kleine Tricks zeigte, legten dann diese in Alkohol ein. 2 lebende Exemplare wurden auch mit der CO2 Methode betäubt, wobei sich jeder Teilnehmer mit der Vorgehensweise vertraut machen konnte.


Bei einem Tier sollte das Geschlecht bestimmt werden…Ergebnis ein Männchen, das andere Tier hatte eine Veränderung an einer Buchlunge, wobei von der Ausprägung her, es ein Pilz sein könnte.
Vorgehensweise: Kleines Gefäß, was luftdicht verschlossen werden kann, wird mit Backpulver befüllt, darüber wird Flies oder Schaumstoff getan, darauf wird die Spinne gesetzt und das Ganze mit Wasser befüllt. Im geschlossenen Gefäß dauert es ca.15-30 min bis die Spinne „schläft“. Danach konnte die Untersuchung durchgeführt werden und Jan legte unsere Probanden unters Mikroskop.
Auch Milben kann man auf diese Weise bekämpfen, wenn sie überhandgenommen haben und es die Spinne stört. Sie fallen einfach ab, können aber auch mit einem Pinsel beseitigt werden. Danach sollte die Spinne wieder warm gestellt werden, damit der Stoffwechsel angeregt wird. Man hat für die Prozedur ca. 20 min Zeit. Achtung: Die Buchlungen dürfen nicht in Berührung mit dem Backpulver kommen!!!!

In der folgenden Mittagspause gab es leckere Pizza, auch an Getränke war gedacht.

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen der Bestimmung einzelner Arten, wobei Hauptaugenmerk auf die Merkmale der Familie Theraphosidae gelegt wurde:

1.keulenförmige Trichobothrin auf Tarsen

2.Haarbüschel unter den Krallen an alle Tarsen

3.Metatarsalskopula vorhanden

4.dichte Scopula an allen Tarsen

5.gut entwickelte Maxillarloben

6.alle Glieder der Spinnwarzen sind gut entwickelt

Den Trockenübungen folgten weitere praktische Übungen mit Hilfe von Bestimmungsschlüsseln, wobei mit der Erkundung von
Stridulationsorganen begonnen wurde. Dazu entnahmen wir den Exuvien den Taster und das erste Bein unterhalb der Coxen. Genauer beäugt wurde nun der Bereich der Coxa und Trochanter am Taster retrolateral (rl) und am 1. Bein prolateral (pl).
Konnte ein Stridulationsorgan erkannt werden, wobei diese sich auch unterschiedlich darstellen können, sei es in Fiederborstenart oder als Keulenborsten, konnte man mit dem Bestimmungsschlüssel weiter arbeiten. Bei allen Aktionen stand uns Jan-Peter helfend, erklärend und führend zur Seite.
Nun hatten wir die Möglichkeit an großen Exuvien die Art zu bestimmen, was nicht immer einfach war, aber sehr viel Spaß machte und uns viel Fingerspitzengefühl abverlangte.


Irre, wie hilfreich da ein Bestimmungsschlüssel sein kann.
Gegen 17 Uhr beendeten wir den 1. Kurstag, räumten noch das Labor auf, schlossen die Binokulare wieder ein und fuhren zum Stammtisch nach Nürnberg, wo Jan-Peter Rudloff noch einen tollen Vortrag über südamerikanische Vogelspinnen und über die Gattung Theraphosa und neueste Erkenntnisse hielt.

Ein toller Tag ging zu Ende!

Der 2. Kurstag begann gegen 10 Uhr an der Uni, alle waren fast pünktlich. Jeder holte wieder sein Bino (Stereomikroskop mit Kaltlichtquelle) aus dem Schrank und los ging es.
Jan-Peter zeigte uns am Beispiel wie ein Dauerpräparat hergestellt wird. Danach hatten wir alle die Möglichkeit unsere Spermatheken vom gestrigen Tag zu präparieren.

Vorgehensweise:

1.Präparat mit Alkohol befeuchten

2.auf Objektträger aufbringen und abdecken, mit 100% igem Alkohol benetzen(Butanol, Dipropanol), dadurch wird das Präparat entwässert, das dauert ca. 10-15 min

3.Präparat entnehmen und auf neuen Objektträger in Euparal (Einschlußharz)einbetten, darauf achten , dass keine Luftblasen verbleiben

4.Präparat mit Blättchen abdecken

5.das Aushärten läuft über einen längeren Zeitraum(14 Tage), ist auch abhängig von der Dicke des Präparates

Und nun kam der Höhepunkt des Kurses. Während wir Kuchen und Muffins aßen, öffneten Jan-Peter und Michael die Gläser, mit den in Alkohol eingelegten Tieren.
Der Geruch war was für Hartgesottene, aber man gewöhnte sich schnell daran. Aufgabenstellung war das Herauspräparieren einer Spermathek aus einer „Alkoholleiche“, Hilfestellung zur Vorgehensweise gab es wieder von Jan-Peter an der Tafel.
Das Herauspräparieren war sehr schwierig, da ja auch „Fleisch“ vorhanden war, aber es gelang. Zum Aufweichen und Ablösen bestimmter Teile verwendeten wir KOH, die über Teelichtern zusammen mit dem Objekt in Reagenzgläsern erhitzt wurde.
Vorsicht war geboten, da bei hohen Temperaturen diese raus spritzen kann. Nach der Entnahme aus der KOH, musste das Präparat mit Alkohol richtig gut gespült und gesäubert werden, dazu nahmen wir einen Pinsel. Nun stellte sich die Spermathek unterm Bino sehr schön und klar dar und konnte weiter bearbeitet werden.

Diese Möglichkeit des Haltbarmachens könnte man auch zu Hause nutzen, indem man sich eine Bibliothek der Spermatheken etc. seiner Tiere anlegt.
Beim Blick auf die Uhr stellten wir fest, dass die Zeit rum war, wir aber z.B. den Aspekt der Reizhaare nur kurz angeschnitten hatten. Auch die Möglichkeit von Scans, mikroskopischer Fotografie und wissenschaftlichen Zeichenmethoden wurden noch nicht behandelt. Alle waren sich einig, dass es im Herbst einen aufbauenden Kurs mit Jan-Peter Rudloff geben wird.

Alle Anwesenden erhielten zum Abschluss ein Zertifikat, das die Teilnahme und die behandelten inhaltlichen Aspekte bescheinigt.

Unser besonderer Dank gilt:


Jan Peter Rudloff, dessen Bestimmungskurs sehr informativ und äußerst interessant gestaltet, unsere Lieblinge in einem noch faszinierenderem Licht erscheinen lies.

Der Uni Erlangen, die uns unkompliziert die Nutzung der Räumlichkeiten und der Binokulare ermöglichte.

Michael Breitschwerdt, der wiedermal durch seine unermüdliche Arbeit dieses Event realisierte.



Autorin: Crisanta Hoffmann, Nürnberg
Mitglied der DeArGe e.V.
Mitglied der VSIG Franken

Redaktion: Pichler/Breitschwerdt

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