Biss eines adulten Poecilotheria ornata Bockes


Nach über sechs Jahren, die ich mittlerweile Vogelspinnen halte und züchte, wurde ich nun zum ersten Mal gebissen. Da der Biß größere Auswirkungen zeigte, als ich aus der Literatur bisher entnehmen konnte, möchte ich hier meine Erfahrungen damit weitergeben.

Am Sonntag den 16.01.05 gegen 13.30 Uhr wurde ich von einem adulten Poecilotheria ornata Männchen mit ca. 20 cm Spannweite und KL 4,5 cm gebissen. Ich wollte es zur Verpaarung ins Terrarium eines Weibchens setzen. Als ich das Männchen aus seinem Behälter bugsieren wollte, ist er mir sofort auf die Hand gesprungen und hat ohne zu zögern zugebissen. Danach sprang er sofort auf den Boden und versteckte sich.

Die Bißstelle befand sich am rechten Handrücken, die beiden Bißstellen lagen ca. 2cm auseinander. Der Biß selbst war fast schmerzlos und hat nur leicht geblutet. Nach ca. 30 Minuten schwoll die Bißstelle leicht an und es bildeten sich weiße Ränder. Deshalb wurde die Hand gekühlt und hoch gelagert. Leider blieb der Erfolg aus, nach ca. 2 Stunden war die Hand angeschwollen und gerötet. Auch bildete sich ein roter, ca. 1cm breiter Streifen auf der Innenseite des Arms, der bis zur Achselhöhle lief (evtl. Zeichen einer Blutvergiftung?). Die Schwellung nahm in den nächsten Stunden weiter zu, dabei wurden die Endglieder der Finger kalt und fast gefühllos.

Nach ca. 8 Stunden stellte sich starker Berührungsschmerz am Handballen und Handgelenk ein, der immer stärker wurde. Allerdings blieben all die Symptome auf die Bißstelle beschränkt, eine Veränderung des Seh- oder Empfindungsvermögen oder der Reaktion wurde nicht beobachtet.

Da die Symptome anstatt abzuklingen eher immer stärker wurden und sich dazu noch ein starker ziehender Schmerz im Bereich des Bisses einstellte, entschloß ich mich gegen 22:15 Uhr dazu, ins Krankenhaus zu fahren. Bei der Untersuchung durch den diensthabenden Arzt war die Bißstelle nicht mehr eindeutig sichtbar, auch war der Arzt relativ ratlos, was in einem solchen Fall zu tun ist. Die Toxikologie-Abteilung des Krankenhauses verwies auf die Infoseite der www.toxinfo.org des Münchner Krankenhauses, nach der auch die weitere Behandlung durchgeführt wurde.

Gegen 23:40 Uhr bekam ich 2 Tetanus Spritzen und es wurde eine Blutentnahme durchgeführt. Danach wurde die Hand mit einer Binde verbunden, die mit dem flüssigen Antiseptikum Lavasept getränkt war. Zur Beobachtung und wegen der möglichen Gefahr von Atmungsbeschwerden bzw. Atemnot wurde ich stationär eingewiesen. Nach einer schlaflosen Nacht, da trotz Hochlagern und Schmerzmittel die leichten, pochenden Schmerzen nicht nachließen, wurden nach der Chefarzt-Visite Antibiotika verabreicht. Beim Verbandswechsel gegen 10:00 Uhr war die Schwellung und der Schmerz abgeklungen, der rote Streifen nicht mehr sichtbar und die Hand nur noch leicht gerötet. Eine Schwellung der Lymphknoten konnte nicht festgestellt werden.

Die einzigen verbliebenen Beschwerden waren nun Muskelkrämpfe am ganzen Körper: Fuß, Wade, Bauch, Rücken, Hand. Daher blieb ich zur Sicherheit noch einen weiteren Tag im Krankenhaus und wurde am Dienstag gegen 10:00 Uhr nach Visite und Entfernung des Verbands aus der Klinik entlassen. Mein Hausarzt hat mich daraufhin für den Rest der Woche krankgeschrieben. Als einziges Mittel gegen die Muskelkrämpfe konnte mir der Arzt Magnesium- und Calcium-Brausetabletten aus der Apotheke empfehlen.

Zu den Muskelbeschwerden kam nun noch Kraftlosigkeit hinzu. Das Allgemeinbefinden besserte sich im Lauf der Woche zusehends, allerdings änderte sich nichts daran, daß die Kraft in Armen und Beinen immer noch fehlte. So hatte ich beispielsweise Schwierigkeiten beim Brotschneiden oder Aufdrehen von Flaschen, und oft verkrampfte sich die Hand dabei so stark, daß ich sie nicht mehr öffnen konnte. Nach 8 Tagen und zusätzlicher Belastung durch die Arbeit stellten sich Schmerzen in den Beinen ein, ähnlich einem Muskelkater. Sämtliche Beschwerden waren nach ca. 5 Wochen verschwunden, innerhalb dieser Zeit kam auch die Kraft in Armen und Beinen allmählich wieder zurück.

Fazit:

Aus diesem Vorfall habe ich gelernt, daß man beim Umgang mit Vogelspinnen niemals Routine einkehren lassen darf. Selbst wenn ein Tier beim Umsetzen immer friedlich reagiert, kann sich dieses Verhalten auch schnell ändern. Da die Tiere auf kurze Distanzen sehr schnell sind, bleibt in einem solchen Fall kaum Zeit zu reagieren. Daher werde meine Tiere nur noch mit Heimchendose und Pinzette umsetzen, um einen solchen Vorfall in Zukunft zu vermeiden.

Denn ich hatte vorher nie damit gerechnet, daß ein Biß derart schmerzhafte und langwierige Auswirkungen haben kann. Es ist allerdings nicht geklärt, worauf die Symptome genau zurückzuführen sind. Es ist durchaus wahrscheinlich, daß sie nicht durch das Gift (allein), sondern auch durch Bakterien an den Chelizeren hervorgerufen wurden. Darauf deutet auch der von der Bißstelle ausgehende rote Streifen und das gute Ansprechen auf das Antibiotikum hin. Auch eine Allergie gegen bestimmte Bestandteile des Giftes ist nicht ausgeschlossen.

Ich würde jedem Vogelspinnenhalter raten, sich von der Seite Toxinfo unter der Rubrik Gifttiere, Datenbank (unter Suche Vogelspinnen allgemein eingeben) die Informationen herunterzuladen und auszudrucken. Im Ernstfall kann man sie so ins Krankenhaus mitnehmen, da das Klinikpersonal meist auf solche Fälle nicht vorbereitet ist. Auf keinen Fall möchte ich mit diesem Artikel die Angst vor Vogelspinnen steigern, sondern nur meine persönlichen Erfahrungen weitergeben. Solche Bißunfälle verlaufen sehr unterschiedlich je nach Art des Tieres, der Giftzusammensetzung und -menge und dem gesundheitlichen Allgemeinzustand des Gebissenen (wie man auch in der Literatur nachlesen kann).


Redaktion: Pichler/Breitschwerdt

© VSIG-Franken 2005